In Österreich ist der Jugendschutz auf Landesebene geregelt. Deshalb gibt es neun verschiedene Jugendschutzgesetze.
Weiterführender Link:
- Arbeiterkammer-Studie "Mobilfunk & Jugendschutz" (pdf, 532 KB, 2011)
Nachdem der Funktionsumfang von Handys immer größer wird, gibt es verschiedene Wege, wie für Kinder ungeeignete Inhalte auf ein Handy gelangen können:
- Von Handy zu Handy: per SMS/MMS oder direkt per Bluetooth bzw. Infrarot (also ohne Mobilfunknetz und daher kostenlos)
- Aus dem Internet über den eigenen Computer auf das Handy
- Übertragung von Mobilfunknetzbetreibern oder Dienstebetreibern direkt auf das Handy (Bestellung kann per Handy oder über das Internet erfolgen)
Als "Happy Slapping" werden Fälle von Gewalt bezeichnet, bei denen Passanten oder MitschülerInnen verprügelt, die Szenen mit dem Handy gefilmt und anschließend verbreitet werden.
Es sind unterschiedliche Arten von Gewaltvideos im Umlauf. Manche sind nachgestellt, andere sind Ausschnitte aus Filmen oder Mitschnitte realer Gräueltaten. Es kommen auch Gewaltszenen bis hin zu gefilmten Tötungen und Vergewaltigungen vor.
Weiterführender Link:
- Bundesministerium für Inneres - Kriminalprävention: Merkblatt "Gewaltvideos auf Handys"
- Polizeiliche Kriminalprävention (Deutschland):"Kurzfilm zum Thema "Handygewalt"
Das Handy selbst kann nicht als die Ursache von Gewalt oder Begeisterung für Gewalt gesehen werden. Gewalt ist vielmehr ein breites gesellschaftliches Phänomen. Kinder sind außerdem in einer Lebensphase, in der das Ausloten und Überschreiten von Grenzen, Mutproben und Gruppenzwang eine wichtige Rolle spielen. Das Handy bietet jedoch in manchen Fällen einen einfacheren und für Eltern schwerer kontrollierbaren Zugang zu ungeeigneten Inhalten, wie z.B. im Vergleich zum Fernsehen oder Zeitschriften.
Siehe auch: Was tun, wenn mein Kind ungeeignete Inhalte mit dem Handy tauscht?
Weiterführender Link:
Institut für Medienpädagogik (JFF): Jugendmedium Handy - Motive und Problemlagen im Zusammenhang mit der Nutzung gewalthaltiger und pornografischer Inhalte
Michael Kunczik und Astrid Zipfel: Medien und Gewalt - Der aktuelle Forschungsstand
„Sexting“ – zusammengesetzt aus „Sex“ und „Texting“ (engl. für das Senden von SMS) – beschreibt einen neuen Trend: Immer mehr Jugendliche machen von sich selbst oder anderen erotische Fotos bzw. Nacktaufnahmen und versenden diese per Handy an FreundInnen und Bekannte. Oft landen die Bilder auch im Internet, z.B. in Sozialen Netzwerken oder Foto-Communitys, und werden von dort an ein großes Publikum verbreitet.
In vielen Fällen werden die anzüglichen Bilder vorerst „nur“ zwischen Pärchen oder besten FreundInnen verschickt, z.B. als eine Art Liebes- oder Freundschaftsbeweis oder zum Flirten. Wenn die Beziehungen oder Freundschaften aber in die Brüche gehen, landen einige der Fotos aus Rache auf diversen Handys bzw. öffentlich im Web oder werden zur Erpressung verwendet.
Sind solche Bilder einmal in Umlauf gebracht, besteht jedenfalls so gut wie keine Möglichkeit mehr, deren Verbreitung zu stoppen. Auch wenn Fotos im Internet z.B. nur für „FreundInnen“ freigegeben sind, kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese in falsche Hände geraten. So können einmal verbreitete Aufnahmen auch Jahre später wieder auftauchen und künftigen beruflichen Karrieren und privaten Beziehungen massiv schaden. Zudem ist das Verbreiten und Veröffentlichen erotischer Fotos Minderjähriger illegal (siehe dazu § 207a StGB - Pornografische Darstellungen Minderjähriger) und kann rechtliche Konsequenzen haben. Es gibt also kein „Safer Sexting“!
Weiterführende Links:
- Aufklärungsvideo zum Thema „Sexting“ auf der Plattform www.thatsnotcool.com
- Erste Sexting-Studie „Sex and Tech: What’s Really Going On“ (pdf) unter Teenagern und jungen Erwachsenen aus den USA der „National Campaign to Prevent Teen and Unplanned Pregnancy“
Es gibt zwei Strategien: den technischen Jugendschutz und die Erziehung zum kritischen und selbstbewussten Umgang mit ungeeigneten Inhalten. Eine Kombination aus beiden Zugängen ist empfehlenswert.
Technischer Jugendschutz:
Sie können versuchen, mit technischen Mitteln zu verhindern, dass ungeeignete Inhalte auf das Handy Ihres Kindes gelangen. Der Vorteil davon wäre, dass Ihr Kind auf seinem eigenen Handy mit problematischen Inhalten gar nicht in Kontakt kommt. Doch dieser Ansatz ist mit einer Reihe von Nachteilen verbunden: Es gibt heutzutage viele Wege, wie Inhalte auf ein Handy gelangen können. Siehe auch: Wie können für Kinder ungeeignete Inhalte auf das Handy gelangen?. Deshalb ist sehr aufwändig, alle Möglichkeiten auszuschließen bzw. ist es auch technisch gar nicht möglich. Erstens ist kein Filter 100% wirkungsvoll und kann immer irgendwie umgangen werden, zweitens ändern sich die Technologien ständig.
Möglichkeiten des technischen Jugenschutz sind: Dem Kind ein Handy zu kaufen, dass keine Bluetooth/Infrarot-Verbindung ermöglicht bzw. diese zu deaktivieren und Filterprogramme am Familien-PC zu installieren (siehe auch: Saferinternet.at: Jugendschutz). Der technische Jugendschutz hat jedoch Grenzen: Anschlüsse können wieder aktiviert werden, Ihr Kind kann auch bei FreundInnen im Internet surfen etc.
Erziehung zum kritischen und selbstbewussten Umgang mit ungeeigneten Inhalten:
Die zweite Strategie zielt darauf ab, anzuerkennen, dass neue Medien nicht gänzlich kontrollierbar sind. Deshalb ist es wichtig:
- Kritikfähigkeit bei Ihrem Kind gegenüber problematischen Inhalten aufzubauen,
- Regeln zu vereinbaren: was ist okay und was ist nicht okay,
- Ihre ehrlichen Einstellungen und Gefühle gegenüber ungeeigneten Inhalten zu vermitteln,
- selbst vorbildhaft mit diesen Themen umzugehen und
- nicht überzureagieren, um eine Gesprächsbasis aufrecht zu erhalten.
Siehe auch: Was tun, wenn mein Kind ungeeignete Inhalte auf dem Handy tauscht?
Weiterführender Link:
- Handy-Kinder-Kodex: Informationsblätter für Eltern und Kinder mit Tipps zum Umgang mit dem Handy und Gewalt am Handy
- Thematisieren Sie aufrichtig, wie Sie über problematische Inhalte denken. Erklären Sie auch, warum Sie diese Einstellungen und Gefühle haben.
- Machen Sie auf die rechtlichen Rahmenbedingungen aufmerksam. Besitz und Weitergabe von brutalen Gewaltvideos und Pornographie ist nach dem Jugendschutzgesetz verboten.
- Reagieren sie nicht über, wenn Sie erfahren, dass Ihr Kind Kontakt mit ungeeigneten Inhalten hatte. Da für Kinder und Jugendliche das Handy ein wichtiges Kommunikationsmittel in ihrem Freundeskreis und Alltag ist, haben sie Angst, dass ihnen nach einem Gespräch mit den Eltern das Handy weggenommen wird. Ein Handyverbot ist meist kein Ausweg. Entscheidend ist die Auseinandersetzung mit den Ursachen der Gewalt.
- Versuchen Sie Kinder zum Nachdenken anzuregen, ihr Unrechtsbewusstsein zu fördern und sie für Ursachen von Gewalt zu sensibilisieren. Vermitteln Sie positive, kreative und aktive Zugänge der Mediennutzung.
- "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm": Vergessen Sie nie die wichtige Vorbildfunktion, die Sie gegenüber Ihrem Kind haben. Dazu zählen auch der Umgang mit Gewalt bzw. Pornographie und der verantwortungsvolle Einsatz von Handy und Internet.
Weiterführende Links:
- Handysektor.de: Broschüre Gewalt auf Handys - Informationen für Schule, Jugendhilfe und Eltern
- Institut für Medienpädagogik (JFF): Jugendmedium Handy - Motive und Problemlagen im Zusammenhang mit der Nutzung gewalthaltiger und pornografischer Inhalte
- Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs: Beratungsangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
- Lassen Sie sich von Ihrem Kind zeigen, wofür und wie es das Handy nutzt. Lassen Sie sich dabei ruhig auch einmal von Ihrem Kind das Handy erklären. Sie werden viel Neues entdecken und Ihr Kind wird sich freuen, in die Rolle des/der ExpertIn schlüpfen zu können!
- Kontrollieren Sie das Handy aber nicht heimlich, damit würden Sie das Vertrauensverhältnis verletzen und die wichtige Gesprächsbasis gefährden.
- Brutale Videos können Kinder oft nur schwer verarbeiten. Reagieren Sie auf mögliche Anzeichen von Verstörungen und sprechen Sie mit Ihrem Kind.










